Fluch und Segen ausländischer Investoren

Montag, Januar 23rd, 2012

Nach der Unabhängigkeit der früheren Kolonien in den 1960er-Jahren gab es für ausländische Investoren in Westafrika lange Zeit nur wenige Anreize, ihr Kapital dort zu investieren. Zum einen herrschten in den meisten Ländern Westafrikas Unruhen und Bürgerkriege. Den Alltag bestimmten vielerorts Gewalt, Korruption und Willkür. Andererseits fehlte es oft an funktionierenden staatlichen Strukturen und an Rechtssicherheit. Speziell seit der Jahrtausendwende lässt sich aber wieder ein erwachendes Interesse ausländischer Investoren feststellen.

Hierfür gibt es zahlreiche Gründe. Die allgemeine Verknappung der Rohstoffe führte zu einem starken Anstieg der Preise. Zunehmend rückten dadurch die Rohstoffvorkommen und natürlichen Ressourcen der Länder der Dritten Welt ins Licht. Westafrika verfügt über einen besonderen Reichtum an solchen Ressourcen: Sowohl Metalle wie Gold, Uran und Eisen, als auch Erdölvorkommen, fruchtbare Böden oder ausgedehnte Wälder sind in großen Mengen vorhanden. Auch an billigen Arbeitskräften fehlt es nicht.

Spätestens, seit aufstrebende Megastaaten wie China und Indien ihr Augenmerk auf die afrikanischen Ressourcen gerichtet haben, interessieren sich auch die Investoren aus den früheren Kolonialmächten Europas wieder verstärkt dafür. So raufen sich heute ausländische Investoren in Westafrika geradezu um Ackerland, Bergbaulizenzen, Bahnstrecken und Hafenanlagen. Chinesen erneuern die alte Infrastruktur Nigerias. Franzosen kaufen Häfen in Abidjan, Lagos und Lomé. Besonders groß ist aber die Nachfrage nach billigem Land für die Produktion von Nahrungsmitteln und Biotreibstoffen. Entsprechende Berichte über den Verkauf von Millionen Hektar fruchtbaren afrikanischen Ackerlands an ausländische Konzerne und Spekulanten tauchen regelmäßig in den Medien auf und provozieren das Bild eines „neuen Kolonialismus“.

Für die offiziellen Stellen gibt es gute Gründe, ausländische Investoren in Westafrika zu bejubeln: In vielen Fällen tragen diese zur Schaffung neuer Arbeitsplätze, zur Erneuerung der schlechten Infrastruktur und zur Verbesserung der Grundversorgung für die einheimische Bevölkerung bei. Andererseits führen sie aber auch zur Verdrängung von kleinen Landbesitzern und einheimischen Arbeitnehmern durch große Konzerne und einwandernde Fachkräfte aus dem Ausland. Gefördert werden diese nachteiligen Entwicklungen oft von korrupten Regierungen und schwachen Gesetzen.

Tags:

Leave a comment